draw a distinction – Teil 2

draw a distinction / Fortführung / – Konsum – Unterscheiden ignoriert – Takt – Kunsturteil/

Gerade er Konsum macht, wie das Unterscheiden selbst alles gleich, denn im Vollzug des Unterscheidens wird das Unterschiedene gleichgemacht. Das Gemeinsame ist dann, dass sie geschieden sind.

Es ist wie das tote Spiegelbild des Werdens, ein permanenter Stillstand in Bewegung.

Unterscheiden absolut gesetzt ignoriert das,
was nicht zu scheiden ist, vergisst,
dass scheiden trennt, oder
schon geschieden wurde,
dass Scheiden eindeutig aktiv ist,
erzwingt Gemeinsamkeiten im Trennenden.
Im Unterscheiden wird nicht gesehen wie
das Eine in das Andere übergeht,
dass Scheiden eine moralische Norm ist:
„Jetzt entscheid dich endlich!“

Schauen wir uns aber doch noch an wie im alltäglichen Leben Unterscheiden stattfindet.

Unterscheiden scheint im Alltag zentral zu sein:
Was tut mir gut, was nicht?
Was ist zweckmäßig, gesund,
erfolgversprechend?
Was ist Gut oder Böse?
Ist das gerecht, ungerecht?
Darf ich das?
Bin ich gefordert, gefragt, beliebt,
werd ich gesehen, geschätzt usw. ?
Ist das schön?

Mein unterscheidendes Urteil ist gefragt.
Unter-scheiden ist die Voraussetzung für Ent-Scheidung und beides sind Urteile.

Jeder kennt aber auch die Situation, wo es besser gewesen wäre nicht zu urteilen, ein Urteil nicht auszusprechen,
Wo es besser gewesen wäre sich nicht für oder gegen etwas zu entscheiden, es besser gewesen wäre man hätte alles offen gelassen.

Und jeder weiß, dass obwohl das Leben permanent Entscheidungen fordert, wir oft die falschen treffen, oder die richtigen zu schnell treffen, zu spät getroffen haben.
Oft ist man auch nicht fähig Unterscheidungen zu treffen.

Weil wir im Leben eher so „wie immer“ tun, weil alles eher diffus ist, weil es zu anstrengend ist, ich dazu nicht fähig bin, ich nicht weiß was ich da unter-entscheiden sollte, weil ich es so lassen kann und mich nicht entscheiden will und schon gar nicht unterscheiden will um mich dann zu entscheiden.

Ich habe immer wieder beobachtet wie kleine Kinder das und jenes nicht essen wollen und bei allem was sie vorgesetzt bekamen quengelten. Dann beobachtet ich wie deren Eltern das Kind immer fragten, magst du das, magst du nicht lieber das – das Kinder wurde völlig mit Entscheidungen überfordert. Vielleicht haben die Eltern ja auch Watzlawik als Erziehungshilfe genossen?

Sehen wir auf den Alltag, so müssen wir feststellen, das meiste ist schon ent- und unterschieden. Im Leben kommt es mehr darauf an wie ich mich in dem Vorgegebenen bewege, wie ich mich besser nicht entscheide, wie ich Entscheidungen, die nur vorgeben Entscheidungen zu sein umgehen kann, um für Wesentliches Zeit und Aufmerksamkeit zu haben.

Es wäre Heroismus zu behaupten, ich könnte mich für das Wesentliche entscheiden. Man nimmt sich eher etwas raus, trickst sich und andere aus, schiebt Dinge zur Seite, ignoriert, vergisst schnell, tut einfach irgendetwas, mal sehen was wird, hat sich Regelmäßigkeit angewöhnt – so etwa – aber unterschieden? Was unterscheide ich da, außer, dass ich von etwas absehen muss, das könnte dann als unterscheiden bezeichnet werden?

Schaue ich in meinem Leben auf die sogenannte großen Entscheidungen, so wurden sie im Nachhinein zu solchen. Damals konnte ich nicht anders, tat es einfach, ohne genau zu wissen was ich tat und welche Folgen es haben wird, hatte den Mut dazu, ging das Wagnis ein, wusste irgendwie was ich nicht tun wollte, wusste irgendwie die Richtung und habe es gemacht.

Die Klarheit welche das Wort unter-scheiden vermittelt, wo geschieden wird, hatte ich nicht. Wenn ich im Nachhinein viel weglasse, könnten diese Handlungen unzutreffend als Unter-, als Entscheidung beschrieben werden.

Ich möchte jetzt noch einen abseitigen Bereich, den Kunstbereich herholen, an dem aufgezeigt werden kann, wie dort unterscheiden funktioniert und wie es auch umgangen wird.

Vorher möchte ich aber noch zum Alltag ergänzen:
Was Takt, Benehmen, der gute Stil, die Etikette genannt wird, all das versammelt Verhaltensweisen die ausgebildet wurden um der Brutalität des Urteilens – Unterscheiden ist nichts anderes wie urteilen – zu entgehen, es zu umgehen, es einzukleiden, wobei damit das Urteil meist mit noch schärferer Klinge vollstreckt wird.

Denen die sich im Kunstbereich bewegen muss aufgefallen sein, dass abgesehen von Werbezwecken, Urteile die lauten, gute, schlechte Kunst eher umgangen werden. Am Getue rundherum kann dann abgelesen werden wie bedeutend das Kunstwerk, die Künstlerin ist. Nur Kampfkünstler und ebensolche Kritiker unterscheiden eindeutig zwischen guter und schlechter Kunst, ansonsten wird Zurückhaltung geübt, außer es handelt sich um eine unumstrittene Größe, dann braucht der Urteilende nicht die Verantwortung für sein Urteil auf sich zu nehmen und kann sich ungehemmt der Bewunderung hingeben oder sich darüber ereifern, wieso gerade diese Kunst als gut empfunden wird denn das sei ihm unverständlich.

Interessanter wird es bei nicht schon ausgestellt Kunst bei der Kunst im Werden, an Akademien, in Ateliers, in der Werkstatt, am Computer.

Wieder kann der Unterscheider behaupten den Vorgang unterscheidend beschreiben zu können.Z. B.
daran, dass der Künstler, der Erfinder, der Denkende sich zurückzieht, dass zwischen der Inkubationsphase, der Produktionsphase, der Repetitionsphase, der Lagerung und was einem da nicht alles einfällt, unterschieden werden kann.

Das wäre die Außensicht. Die Innensicht, die im Vollzug nicht gesehen wird, ergibt ein völlig anderes Bild.

Sein sich Abschließen ist ein Öffnen, bei der das Gegenteil von Konzentration, nämlich sich ablenken genau das entsprechende sein kann.

Der Maler zeigt sein Bild nicht solange es nicht fertig ist, dann kommt doch jemand, sagt etwas dazu und das Bild kann abgeschlossen werden,

Der Maler hat sich abgeschieden um sich zu öffnen. Schaue ich nur das Scheiden an, so sehe ich nur das Getrennte, das aber in dem Falle überhaupt das Verbundene ist. Denn sein Öffnen und sich darin abschließen ist ein Verbunden sein.

Schaue ich auf das Verbunden sein ist das Scheidende einmal so, dann so, wie eine durchlässige Membrane die oszilliert.

Wenn wir jetzt auf das Inneren des Werdens sehen kann auch der Zeichner und Maler, der ich bin, zu Wort kommen.

„Draw a Distinktion“ hast Du gepostet.

Sehr schön, da Zeichnen geradezu scheidet. Eine Linie scheidet, das ist eine der Ausdrucksmöglichkeiten einer Linie. Paul Klee hat noch andere Ausdrücke von Linien angegeben, wie die Richtung usw.

Vorher war nichts, ein leeres Blatt, dann ziehe ich eine Linie in der Mitte des Blattes. Wo vorher nichts war ist immer noch nichts, das ich aber als oben und unten, Himmel und Erde usw. ansehen kann.

Wirklich ist das nicht, aber auch nicht unwirklich eher symbolisch. Und wenn das Handlung sein soll, dann eine symbolische.

So charakterisiert die gezeichnete Linie präzise was das Wesen der Unterscheidung ist: Eines das in seiner Bedeutung von der einen zur anderen Seite changiert. Ein brauchbares Wesen, das gerne dient, aber selbst sich entzieht, da es immer gerade auf der anderen Seite ist.

Befragen ich Unterscheidung als Maler – für den Unterscheidung noch viel differenzierter erscheint als für den Zeichner, so komme ich zu einem bemerkenswertem Ergebnis:

Dem Maler steht die ganze Palette von Unterscheidungen zur Verfügung, wobei die Skala, die Unterscheidung genannt werden kann, ein nicht zu kleines davor und dahinter aufweist.

Ja, ein Beckmann gehört mit seiner kontrastreichen Malerei noch ins Unterscheidbare, ein Rothko schon nicht mehr, er geht wie ein Rembrandt weit darüber hinaus.

In den späten Selbstbildnissen von Rembrandt ist weder die Farb- noch die Formvielfalt benennend, unterscheidbar.

Was da auftritt ist mit so groben Instrument wie Unterscheidbarkeit nicht mehr zu fassen, da können die Rationalisten mit ihren Ohren wackeln wie sie wollen, und können deren Ohren noch so große sein, Elefanten werden sie doch nicht!

GL

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