draw a distinction – Teil 1

Unterscheidung / Auftakt/  – Vergleiche – der Unterschied – Durcheinander – Anfang des Denkens – Unterscheiden im Alltag/

Lieber Stefan !

Der Satz von Paul Watzlawick:
“ Du kannst nicht nicht unterscheiden“,
den Du immer wieder bringst und den Du mit dem Anfang der Bibel, dem Pentateuch, der
„Scheidung von Himmel und Erde, und siehe ein Universum entstand“
einen Schöpfungsgestus verleihst,
wird dann nochmal  durch einen Satz von Dirk Baecker: „Draw a distinction. Watch its form. Work its unrest. Know your ignorance.“
verstärkt und damit zur Grundlage allen Denkens erklärt.

Es ist zu vermuten, ein Autor, der mit solchen Geschützen auffährt, ist durch einen Theorieansatz, den ich als Konstruktivismus bezeichne, für alle Gegenargumente immunisiert.

Meist axiomatisch gefasst, bauen sich Konstruktivisten eine Welt neben der Welt in logischer Form, die in der Anwendung geeignet ist, in die wirkliche Welt einzugreifen, sie zu erklären usw. Andere Methoden, sich der Welt anzunähern, sind aus der Sicht, eben andere Formen Welt zu erklären.

Widersprüche dazu werden nur dann in diese Theorien aufgenommen, wenn ihreVerfassung dadurch verbessert werden kann, alle anderen Widersprüche werden abgewehrt!

Ein Biochemiker würde seine Existenz gefährden, gäbe er zu, seine synthetisch erzeugten Pflanzenextrakte hätten eine schlechtere Wirkung als die durch Pflanzenauszüge gewonnenen.

So galt die Atomphysik lange als das Modell der Welterklärung, bis gesehen wurde, dass damit die Welt nicht nur erklärt, sondern auch zerstört werden kann.

Bei Stefan kommt aber noch dazu, dass er sich ja zur Lebensaufgabe gestellt hat, Computer zu sein, um dadurch am eigenen Leib den Versuch durchzuführen, wie diese höheren Wesen wirken und wie sie die Menschen in Zukunft beeinflussen werden.

Dass so ein Leben nur als Künstler funktionieren kann, der sich dem Spiel aussetzt, ist hier auch zu bedenken.

Der Schluss daraus kann nur sein: Ich denke über den Begriff der Unterscheidung nach, um mein Unbehagen zu ergründen und auszuformulieren, überzeugen will ich damit niemanden und schon gar nicht den Stefan!

So beginne ich mit der Frage:Was geschieht, wenn ich der „Unterscheidung“ den Primat im Denkakt zuweise?

Schau ich auf das Denken, das ich auf Wahrnehmungen, auf Bilder, auf Begriffe, auf all das, was vorgegeben ist anwende, sieht es auf den ersten Blick danach aus, als wäre das Unterscheiden der erste Denkakt.

In der Kunstgeschichte werden, Bilder, Skulpturen,
Bauwerke verglichen, Ähnliches wird für alle anderen Wissenschaften gelten, steigen sie nicht gleich mit einem bewertendem kategorialem System ein, wie dies ja heute überall der Fall ist.

Aber ist das System der Systemtheorie, das Atom der Physik , das Molekül der Chemie – Spezialisten werden hier Aktuelleres einzufüllen haben – nicht der Vergleichsmaßstab für Unterscheidungen?

Auch in Theorien werden Begriffe, Aussagen verglichen und unterschieden.

Auch sofern scheint das Anfängliche dem Unterscheiden eigen zu sein.

Ich muss ein Gleiches voraussetzen, um vergleichen zu können und es muss etwas Vergleichbares geben, um zu unterscheiden. Was auch heißt, im Unterscheiden ist ein Gleiches implizit oder explizit vorausgesetzt.

Insofern funktioniert der Satz, „es kann nicht nicht unterschieden werden“ innerhalb eines Ganzen dem ein-, zu-, untergeordnet wird.

Zwischen Ungleichem kann nicht verglichen werden. Gibt es nichts Gleiches, braucht auch nicht eine Unterscheidung getroffen werden, denn es ist ja geschieden.
Außer, es wird behauptet, der Vorgang des Unterscheidens stellt immer ein Gleiches her im Unterscheiden.

Was auch so ist! Wir werden darauf noch zurückkommen.

Vorher hätte ich mir noch gerne das Ent- und das Scheiden der Entscheidung angesehen.

Scheiden ist trennen, die Wasserscheide trennt den Lauf der Gewässer. Geschieden kann nur werden wo getrennt werden kann. Schon Getrenntes kann nochmal und nochmal getrennt werden, aber nur in sich, wenn ein anderes von ihm getrennt wird, z.B der Schmutz aus dem Gewässer, so ist das eine andere Art der Unterscheidung.

Es wird nicht im Gleichen geschieden, sondern es wird etwas ausgeschieden, bzw. in das Eine und das Andere geschieden.

Zueinander,
Miteinander,
Füreinander und unter-einander, in dem das Durcheinander mitklingt.

Das Unter- des Unter-Scheidens ist räumlich und hierarchisch connotiert und bezieht sich auf Versammeltes, das noch nicht die Ordnung hat, die es durch das Tätige, in dem Fall das Scheiden bekommt.

Im Unterscheiden wird das Eine zum Anderen, das von dem Einen getrennt, geschieden wird.

Das Eine vom Anderen kann im Werden nicht getrennt werden, trenne ich das Werden in Sequenzen, habe ich es zerteilt, habe unterschieden, damit ist es aber auch kein Werden mehr.

Ein Teilchenbeschleuniger erzählte mir von seiner Erfindung: Das Problem bei Laser-Aufnahmen von lebender Substanz sei, dass die Strahlen dies abtöten würden und wir demzufolge nur Skelette abgebildet haben. Sind die Teilchen aber schneller als das Absterben, kann er Bilder des Lebendigen herstellen – nur, absterben wird die lebende Substanz letztlich immer.

Auch wenn er das Werden im Ent-Werden austrickst und Bilder von ihm bekommt, hat er damit das Werden zerstört.

Nehmen wir an, wir könnten, abgesehen vom Werden alles unterscheiden , da im Unterscheiden so etwas wie ein Uranfang im Denken geschieht – worauf ja das Bibelzitat hinweisen will –  dann wäre Unterscheiden
voraussetzungslos. (Nach E. Husserl ein philosophischer Blödsinn)

Wir könnten in jedem Unterscheiden neu beginnen, indem wir
Himmel von Erde,
Schrift von Sprache,
Religion von Wissenschaft unterscheiden.
Indem wir alles Vorhandene, Bäume, Menschen, Mein – Dein, Herr – Knecht, Fingernägel vom Finger, Tassen, Kaffeesorten und all die anderen Konsumgüter unterscheiden.

Die Kritik der Phänomenologie an solch vermeintlichem Beginn argumentiert damit, dass wir immer schon in Bedeutungszusammenhänge eingebunden sind und wir mit dem Denken nicht neu beginnen können. Oder anders, wenn wir unterscheiden ist schon vielfach unterschieden, das gilt es rauszufinden.

GL

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